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Die Zusammenfassungen zu den einzelnen Sektionen finden Sie hier: Zwischenergebnisse der Sektionen und Themen

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6. Zwischenergebnisse und Ergebnisse der Sektionen und Themen

Einführung in das Tagungsthema, Programm, Materialien, Zwischenergebnisse und Ergebnisse
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Zwischenergebnisse Sekt. IV.2: Nimmt ein Berufsverband Individuen auf, Firmen oder beide?

Beitragvon Frank Siegmund » Fr 21. Apr 2017, 19:31

Ergebnisse IV.2: „Nimmt ein Berufsverband Individuen auf, Firmen oder beide?
Debatte seit 3. 4. 2017, geschlossen 17. 5. 2017


In der Diskussion herrschte Einigkeit darüber, dass sowohl Firmen als auch Individuen Mitglied eines archäologischen Berufsverbandes werden dürfen und sollen. Erweitert wurde das Spektrum auf Institutionen aller Art, zum Beispiel sollten auch Vereine, Universitätsinstitute und Forschungseinrichtungen Mitglied werden können. Im Berufsverband müssen die Interessen der einzelnen Berufstätigen, der arbeitslosen Archäologen wie auch der Institutionen und Firmen eine gemeinsame Vertretung finden. Begründet wurde diese umfassende Mitgliedschaft mit der Verbindung von Mitgliedschaft und Qualitätssiegel. Ein solches Qualitätssiegel soll allen, die es wünschen und die die Anforderungen erfüllen, offenstehen.

Individualmitgliedschaften wie institutionelle Mitgliedschaften seien auch deshalb erforderlich, um im Falle von Fehlverhalten ggf. Sanktionen gegen ein Individuum, aber damit nicht zugleich seiner Institution aussprechen zu können, bzw. gegen eine Institution, aber nicht zugleich alle ihre individuellen Mitarbeiter.

Angesprochen wurde auch die Stimmberechtigung bei Wahlen: Nur Einzelpersonen sollten wählen können, um Stimm-Akkumulationen, die aus multiplen Funktionen herrühren könnten, auszuschließen. Es soll demnach gelten: „One person, one vote!“

Diese Idealvorstellung relativiert sich jedoch ein wenig, wenn man berücksichtigt, dass sich bisher fast ausschließlich Firmen und Individuen an der Diskussion beteiligt haben, Vertreter anderer Institutionen, z. B. aus Museen und der staatlichen Archäologie, jedoch eher selten. Daher bestanden in der Diskussion Zweifel daran, ob so eine „große Lösung“ überhaupt auf das entsprechende Interesse bei den verschiedenen Institutionen stoßen würde. Dennoch wurde und wird die Lösung „Institutionen und Individuen dürfen in einem Berufsverband Mitglied werden“ weiterhin bevorzugt.

Die vollständige Debatte findet sich dort: https://www.tagungsforum.dguf.de/viewtopic.php?f=36&t=110. Sie wurde per 17.5.2017 geschlossen.

Dieser Text gibt ohne weitere Bewertung eine Zusammenfassung der Debatte bis zum 17. Mai.
Für die DGUF: Sascha Piffko, Lisa Deutscher, Michaela Schauer
Weitere Informationen zur DGUF-Tagung 2017 "Ein Berufsverband für die Archäologie?":http://www.dguf.de/berufsverband.html
Dateianhänge
DGUF-Dok_2017-05-17_Ergebnisse-IV-2.pdf
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Zuletzt geändert von Michaela Schauer am Sa 3. Jun 2017, 13:42, insgesamt 3-mal geändert.
Grund: Ergänzung der Zusammenfassung

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Zw.-Ergebnisse IV.3: Soll ein Berufsverband auf Ebene d. Bundesländer, deutschlandweit od. europaweit organisiert sein?

Beitragvon Frank Siegmund » Fr 21. Apr 2017, 19:35

Ergebnisse Sektion IV.3: "Soll ein Berufsverband auf Ebene der Bundesländer, deutschlandweit oder europaweit organisiert sein?"
Debatte seit 3. 4. 2017; geschlossen 17. 5. 2017

In dieser Sektion wurde debattiert, welche räumliche Organisation einem Berufsverband zu Grunde liegen sollte, damit dieser effizient und schlagkräftig agieren kann. Die Mehrheit sprach sich für einen Berufsverband auf Bundesebene aus, der sich zudem in landesspezifische Untergruppen gliedern sollte. Nach der Etablierung eines starken und erfolgreichen deutschlandweiten Verbandes könnte in einem weiteren Schritt eine Ausweitung auf deutschsprachige und/oder europäische Länder stattfinden – „ein großes Haus mit vielen Zimmern und offenen Türen“. Transparenz sowie eine Vernetzung mit anderen (inter-)nationalen Berufsverbänden sollte von Anfang an vorhanden sein.

Welche Vorteile und Nachteile bietet ein Berufsverband auf Länderebene?
Die Kulturhoheit liegt bei den Bundesländern, daher ist die staatliche Denkmalpflege sowie der Denkmalschutz in jedem Bundesland durch ein eigenes Denkmalschutzgesetz geregelt. Auf Grund dessen müsste eine Abstimmung mit den zuständigen Ministerien erfolgen. Dies birgt bürokratische, ggf. lähmende Hindernisse. Eine länderweise organisierte Interessenvertretung hat jedoch den Vorteil, dass bundeslandspezifische Herausforderungen besser erkannt und gemeistert werden könnten. Sie wäre es möglich, die regionale Archäologie besonders gut zu fördern. Ein weiterer Vorschlag nennt berufsständische Kammern auf Landesebene. Da diese bereits Vorbilder in anderen Berufen haben, könnte man sich dort orientieren. Ihr besonderer Vorteil wäre, dass Kammern als rechtlich verpflichtend für den jeweiligen Beruf gelten, was bedeutet, dass jeder der diesen ausübt auch beitreten muss.

Welche Vorteile und Nachteile bietet ein Berufsverband auf Bundesebene?
Bundeslandgrenzen spielen in der archäologischen Arbeitswelt oft eine untergeordnete Rolle – länderübergreifende Projekte spiegeln den Bedarf an einer länderübergreifenden Organisation wieder. Schwierigkeiten innerhalb der Archäologie und der damit verbundene Wunsch nach einer Interessensvertretung werden insbesondere auch in Folge der hohen beruflichen Mobilität über die Grenzen der einzelnen Bundesländer hinausgetragen. Hier ist ein einheitliches System von Regeln, Normen und Restriktionen bzw. Strafen erforderlich, das nur von einem bundesweit agierenden Berufsverband gewährleistet werden kann. Zudem hätte ein Berufsverband dadurch automatisch eine höhere Mitgliederzahl und wäre gewichtiger als sechzehn kleine Landesverbände. Aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen (Bodentypen, Grabungsanforderungen etc.) und Denkmalschutzgesetzen der einzelnen Länder könnte der Verband einige bundeslandspezifische Aufgaben an landesspezifischen Untergruppen übertragen Um Doppelstrukturen zu vermeiden sollten bereits bestehende Institutionen und Verbände eingebunden werden.

Welche Vorteile und Nachteile bietet ein internationaler resp. ein deutschsprachiger Verband?
Der deutschsprachige Raum bildet in der Archäologie einen gemeinsamen Wissenschafts- und Berufsraum. Die aktuelle DISCO-Studie zeigt, dass eine besonders hohe berufliche Mobilität zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz besteht, weshalb man die Gründung eines gemeinsamen Verbandes anstreben könnte. Einige kleinere deutschsprachige Länder sind zudem aufgrund der vergleichsweise geringen Anzahl von ArchäologInnen wahrscheinlich kaum in der Lage, einen eigenen Verband zu gründen.

Ein internationaler Verband mit nationalen Unterverbänden o.ä. könnte globale fachliche Standards und Arbeitsbedingungen setzen. Besonders interessant ist dies für ArchäologInnen die im Ausland tätig sind (z.B. Klassische Archäologen). Ein internationaler Verband (wie z.B. CIfA) hätte deshalb auf Grund seiner größeren Mitgliederzahl und eines größeren geografischen Raumes ein größeres Gewicht gegenüber einem rein deutschen oder deutschsprachigen Verband.

Die Möglichkeiten eines internationalen und/oder deutschsprachigen Verbandes wurde grundsätzlich als interessant bewertet, ist der Mehrheit nach aber zweitrangig. Insbesondere die großen Unterschiede in den jeweiligen räumlichen und rechtlichen Organisationen gäbe es eine Menge Hindernisse für die Entstehung eines funktionierenden Verbandes. Wichtig sei es zunächst einen erfolgreichen deutschlandweiten Berufsverband zu etablieren. Dieser müsse zunächst die einzelnen Bundesländer auf eine gemeinsame Linie bringen, bevor Kooperationen mit deutschsprachigen bzw. europäischen Ländern möglich sind.

Die vollständige Debatte findet sich dort: https://www.tagungsforum.dguf.de/viewtopic.php?f=36&t=116 Sie wurde per 17. 5. 2017 geschlossen.

Siehe auch die laufende Umfrage dort: https://www.tagungsforum.dguf.de/viewtopic.php?f=38&t=127

Dieser Arbeitsstand gibt ohne weitere Bewertung eine Zusammenfassung der Debatte 6. März bis 17. Mai.
Für die DGUF: Jasmin Rauhaus, Michaela Schauer, Diane Scherzler


DGUF-Dok_2017-05-17_Ergebnisse-IV-3.pdf
PDF der Zusammenfassung, Stand 17.5.2017
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Ergebn. IV.4: Welchen Nutzen haben Archäologie-Kunden wie Investoren, Politiker, u.a. von einem arch. Berufsverband?

Beitragvon Frank Siegmund » Fr 21. Apr 2017, 19:37

Ergebnisse IV.4: „Welchen Nutzen haben Archäologie-Kunden wie Planer, Investoren, Politiker, u.a. von einem archäologischen Berufsverband?“
Debatte seit 3. 4. 2017, geschlossen 17. 5. 2017


In diesem Thema wurde diskutiert, welche Kunden und Interessenten für Archäologie („Stakeholder“) es gibt und inwiefern deren Interessen und Sorgen Ansatzpunkte für einen Berufsverband darstellen können und sollen.

Als Gruppen wurden von den Teilnehmern genannt:
  • Museumsbesucher
  • Politiker
  • Bauträger, Baufirmen
  • (Studierende)
  • Landesämter für Denkmalpflege selbst
  • Kommunen
  • Versicherungen

Wie im gesamten Forum waren auch hier die Kunden von Grabungsfirmen, also Bauunternehmen und Kommunen, das primär besprochene Thema. Andere Gruppen, wie Museumsbesucher, die zu informierende Öffentlichkeit oder auch Politiker, wurden zwar genannt, aber kaum diskutiert. Deutlich wurde zudem, dass eine Kategorisierung in „öffentliche“ und „private“ Stakeholder angesichts der zahlreichen Überschneidungen zwischen beiden Bereichen – wenn beispielsweise Landesämter Grabungsfirmen beauftragen – für die Aufgaben eines Berufsverbandes nur bedingt sinnvoll ist.

Als Sorgen und Ärgernisse beim Umgang mit Archäologen wurden vor allem Aspekte genannt, die sich auf den Umgang mit Bauunternehmen und Kommunen als Auftraggeber beziehen. Für diese bedeutet die Begegnung mit Archäologie
  • finanzielle und zeitliche Aufwände, die ihre Arbeit direkt beeinflussen;
  • inhaltlich-organisatorische Aufwände hinsichtlich des Umgangs mit den Denkmalgesetzen und entsprechenden Beauflagungen, die oft nicht leicht zu durchblicken sind;
  • Unverständnis gegenüber inhaltlichen Entscheidungen, Mehrkosten und der unsicheren Planbarkeit, mit der Kommunen und Bauunternehmen durch Grabungsfirmen und Denkmalämtern konfrontiert und die oft nicht transparent kommuniziert werden;
  • Unkenntnis und damit Unsicherheit darüber, wodurch sich gute Grabungsfirmen auszeichnen.

Zudem wurde die Frage diskutiert, inwieweit die Qualität der archäologischen Arbeit und deren Zertifizierung durch einen Berufsverband wichtig für Auftraggeber sei. Dabei wurde deutlich, dass man zwischen fachlicher Qualität, Qualität der Arbeitsbedingungen (Einhaltung von Mindeststandards bei Bezahlung usw.) sowie der Qualität der Planung und Kalkulation durch die Auftragnehmer (Archäologen) unterscheiden müsse. Für öffentliche Auftraggeber etwa könne das Thema der fairen Arbeit durchaus eine Rolle spielen, für private Auftraggeber hingegen seien Planbarkeit und Verlässlichkeit wichtiger. In Fällen, in denen die Kosten- und Zeitkalkulation sich als nicht genau genug erweisen und unvorhersehbare Fallstricke im Verlauf der Ausgrabung auftreten, erschwere dies den Auftraggebern die Arbeit, sorge entsprechend für Unmut und im schlimmsten Fall für Streitfälle. Für diese gibt es bisher keine schlichtende Instanz. Deshalb werde mitunter die Presse/ Öffentlichkeit eingeschaltet und die Archäologie in der Gesamtheit erleide Schaden.

Aus dieser Ausgangssituation wurden sodann mögliche Vorteile eines Berufsverbandes für beide Seiten genannt:
  • Zertifizierung / Qualitätssicherung von Grabungsfirmen und anderen archäologischen Dienstleistungen, sowohl fachlich als auch im Geschäftsgebaren; dies führt zu mehr Effektivität und höherer Verlässlichkeit für die Auftraggeber;
  • eine Liste der Firmenmitglieder des zertifizierten Berufsverbands gibt eine schnelle und transparente Übersicht über potenzielle Auftragnehmer;
  • Aufklärungsarbeit durch den Berufsverband, z. B. mittels Erstellung von Handreichungen für behördliche Entscheidungsgrundlagen, archäologischer Arbeits- und Planungsweise etc.;
  • ggf. Beratung bei inhaltlichen Fragen zu Risikoabschätzung, Denkmalschutzgesetzen usw.;
  • Beschwerdestelle / Schlichtung im Streitfall.

Eine Möglichkeit für Firmen, sich von „der Masse“ abzuheben, könnte das Anbieten zusätzlicher Services, wie etwa Veranstaltungen, Ausstellungen oder Publikationen sein. Diese könnten dem Kunden evtl. zur Imagepflege dienen. Einige größere private Kunden fördern tatsächlich immer wieder solche Projekte, als Beispiele dienten Publikationen der Ergebnisse von Trassen-Ausgrabungen oder eine Ausstellung im Anschluss an die NEL-Ausgrabungen. Die Nachfrage nach solch teuren Folgeprojekten sei in der Regel jedoch sehr gering.

Die vollständige Debatte findet sich dort: https://www.tagungsforum.dguf.de/viewtopic.php?f=36&t=117. Sie wurde per 17.5.2017 geschlossen.

Dieser Arbeitsstand gibt ohne weitere Bewertung eine Zusammenfassung der der Debatte bis zum 17. Mai.
Für die DGUF: Kristin Oswald, Lisa Deutscher, Michaela Schauer
Weitere Informationen zur DGUF-Tagung 2017 "Ein Berufsverband für die Archäologie?": http://www.dguf.de/berufsverband.html
Dateianhänge
DGUF-Dok_2017-05-17_Ergebnisse-IV-4.pdf
(63.62 KiB) 15-mal heruntergeladen
Zuletzt geändert von Michaela Schauer am Sa 3. Jun 2017, 13:43, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Ergänzung der Zusammenfassung

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Zwischenergebnisse IV.5: Wege der Qualitätssicherung

Beitragvon Frank Siegmund » Fr 21. Apr 2017, 19:58

Ergebnisse IV.5: „Wege der Qualitätssicherung: per akademischem Abschluss, oder sind Selbstverpflichtung / Zertifizierung / Präqualifikation / Akkreditierung zielführendere Ansätze?“
Debatte seit 3. 4. 2017, geschlossen 17. 5. 2017

Da ein Berufsverband den Berufsstand vertritt, braucht es einen Qualifikationsnachweis bzw. ein externes Audit. Hiefür gibt es zwei Möglichkeiten:

A) Ein Abschluss in einem archäologischen Fach bildet die Grundvoraussetzung. Die Abschlüsse sind jedoch sehr verschieden und oft nicht ausreichend für die angestrebte Stelle, da z.B. die nötige Praxis fehlt. Außerdem bedeutet das eine Einschränkung auf ‚akademische Archäologen‘.
Hierfür gibt es zudem keine gesetzliche Grundlage. Das DSchG setzt keinen Abschluss voraus, hier wird lediglich ‚fähiges Personal‘ gefordert. Die Berufsbezeichnung ‚Archäologe‘ ist nicht geschützt und demnach nicht mit einem akademischen Abschluss verbunden. Wissenschaftsfreiheit ist per Gesetz festgeschrieben und kann nur, wenn für den Kulturschutz nötig, per Gesetz eingeschränkt werden.

B) Die allgemeine Eignung ist entscheidend. Wenn ein Nachweis über die nötigen Fähigkeiten erfolgt, kann jeder in Deutschland eine archäologische Untersuchung leiten.

Zur Qualitätssicherung
- Eine Zertifizierung basierend auf dem akademischen Abschluss ist nicht zielführend, da alleine durch diesen eine Ausbildung in einem archäologischen Fachbereich bzw. einer Nachbardisziplin nachgewiesen ist. Auch ist das in der freien Wirtschaft wohl eher wenig relevant, wichtiger ist, ob derjenige das, was er tut, auch kann, also dass er fachlich verlässlich und termingerecht ‚liefert‘ und das Ergebnis beanstandungsfrei ist. Diese Punkte werden oft als Kriterien für ‚professionelle oder fachmännische Arbeit‘ herangezogen. Es ist deshalb sinnvoller, eine nachgewiesene fachmännische Kompetenz zu fordern, und zwar unabhängig von einem akademischen Grad, da dieser in der Praxis häufig nicht als ‚Qualitätsgarant‘ empfunden wird. Eine einschlägige Ausbildung ist sinnvoll, kann aber auch durch Berufserfahrung oder Eigenstudium erreicht werden.
- Eine Zertifizierung auch von Nachbardisziplinen, Spezialisten und Quereinsteigern sowie von Institutionen und Einzelpersonen muss möglich sein. Sie sollte versuchen, die große Vielfalt der Archäologie ‚unter einen Hut‘ zu bekommen, wobei durch einen Berufsverband für jeden Kompetenzbereich eigene Kriterien entwickelt werden können
- Die Eignung sollte durch eine wie auch immer geartete ‚Aufnahmeprüfung‘ getestet werden. Möglich wäre auch ein Portfolio bestehend z.B. aus Plänen, Kontextblättern, Zeichnungen, Grabungsberichten, Planungsdokumenten etc. ergänzt mit Publikationen, Lehrveranstaltungen, Lehrerfahrung, Kursen, Empfehlungen und Ähnlichem. Dies soll gewährleisten, dass auch Quereinsteiger eine Chance zur Akkreditierung bekommen.
- Wichtig ist hierbei auch, dass wiederholbare Standards auf verschiedenen Ebenen überprüft werden. Für Grabungsfirmen wären z.B. fachliche, wirtschaftliche und soziale Aspekte zu überprüfen.
- Diese Aufnahmekriterien können von einem Aufnahmegremium geprüft werden, die dann eine Bescheinigung der nachgewiesene Fähigkeiten oder ggf. auch ‚Nachbesserungswünsche‘ herausgeben.
- Es ist naheliegend, verschiedene Kompetenzgrade einzuführen. Die Regeln für die nötigen Aufnahmekriterien sollten von einem Gremium bestehend aus Mitgliedern des Faches (egal ob akademisch oder nicht) bestimmt und geprüft werden.
- Es muss im Auge behalten werden, dass die freie Wirtschaft eine Akkreditierung letztendlich auch anerkennen sollte. Hierfür ist Lobbyarbeit und die Suche nach Unterstützern und Fördern nötig. Es wird deshalb seine Zeit brauchen, bis ein wie auch immer geartetes ‚Gütesiegel‘ anerkannt wird. Das hängt auch stark davon ab, ob das zertifizierte Personal/Institut die ihnen bescheinigten Fähigkeiten wirklich hat und wenn nicht, ob und wie Vergehen oder Fehler geahndet werden.
- Ziel der Qualitätsprüfung sollte es sein, die Prozesse in der Archäologie kontinuierlich zu verbessern und das in angemessen schneller Geschwindigkeit, um mit der sich rasch wandelnden Arbeitsumgebung Schritt zu halten.

Dieser Arbeitsstand gibt ohne weitere Bewertung eine Zusammenfassung der Debatte bis zum 17. Mai.
Für die DGUF: Frank Siegmund, Michaela Schauer, Sophie Rotermund


DGUF-Dok_2017-05-17_Ergebnisse-IV-5.pdf
PDF der Zusammenfassung; Stand 17. 5. 2017
(65.21 KiB) 20-mal heruntergeladen
Zuletzt geändert von Michaela Schauer am Do 18. Mai 2017, 12:43, insgesamt 2-mal geändert.


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