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6. Zwischenergebnisse der Sektionen und Themen

Einführung in das Tagungsthema, Programm, Materialien und Zwischenergebnisse
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Diane Scherzler
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6. Zwischenergebnisse der Sektionen und Themen

Beitragvon Diane Scherzler » Do 16. Mär 2017, 12:16

Zwischenergebnisse von Sektion I Thema 1: "Braucht die deutsche Archäologie einen Berufsverband?"
Debatte seit 9. 3. 2017, Arbeitsstand 15. 3. 2017


Bereich des Konsenses unter den Teilnehmern:
    • Ja, die Archäologie braucht einen Berufsverband, weil das Modell einer Organisation als oder in einer Gewerkschaft mit seiner Polarität von Arbeitgeber und Arbeitsnehmern nicht so recht als alleinige Lösung auf die Archäologie passt. Ja, weil ein Berufsverband alle Archäologen gemeinsam bündeln könnte.
    • Ja, weil viele Kollegen als Selbständige, in Firmen oder durch Zeitverträge unter sehr schlechten Bedingungen arbeiten: schlechte Bezahlung, schlechte Verträge, Zeitarbeitsverträge. Das Fach muss sich zusammentun, um aus eige-ner Kraft Lösungen für diese drängenden Probleme des Berufslebens von Ar-chäologen zu finden.
    • Ja, weil bei vielen Kollegen die Perspektiven für die Zukunft sehr schwierig sind: Oft weit weg umziehen müssen (wg. Problem Kettenverträge), wegen anhaltender Unsicherheit keine Familiengründung, kein Vermögensaufbau, sondern Altersarmut. Alle kennen die Probleme, doch aus (nachvollziehbarer) Furcht, den nächsten Job, den nächsten Vertrag oder Auftrag nicht zu kriegen, schweigt man individuell. Ein Berufsverband kann diese Probleme für seine Mitglieder debattieren und angehen.
    • Vielen Firmen geht es nicht anders: Sie würden gerne besser arbeiten, ihre Mitarbeiter besser bezahlen und ihnen bessere Bedingungen bieten. Nur: ein paar wenige schwarze Schafe, die sich nicht an die Regeln das archäologischen Handwerks halten, machen den Markt mit unseriösen Dumpingangeboten kaputt. Es braucht Regeln und Mindeststandards, die von allen Mitgliedern eingehalten werden, und die die schwarzen Schafe an den Rand drängen.
    • Ja, weil es den Wunsch gibt, selbst weiter zu lernen und sich fortzubilden und wiederum Examenskandidaten mit Zusatzangeboten von praxisbezogener Weiterbildungen besser auf den Beruf vorzubereiten. Diese Lücke könnte ein Berufsverband füllen.
    • Ja, weil ein Berufsverband ein starke Stütze darin sein könnte, die heimische Archäologie stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken und mehr Akzeptanz zu schaffen für eine Archäologie, die manchmal auch lästig ist und Geld kostet.
    • Ja, weil für die Betroffenen die derzeit weithin übliche Praxis von auf wenige Wochen oder Tage befristeten Verträgen, von Löhnen auf Mindestlohnniveau, von Grabungsleitungen als unbezahlte Praktika, von Scheinselbständigkeit, Zeitarbeitsfirmen u. ä. dringend einer Änderung bedarf, einer Änderung, die durch existierende Strukturen bislang nicht erreicht werden konnte.

Auf Lösungen "von oben" wurde vergebens gewartet und kann von dort tlw. auch nicht erwartet werden. Ein Berufsverband bietet die Chance, sich selbst wirksam zu organisieren, die Lage aus eigener Kraft zu verbessern. Ein Berufsverband würde alle Bereiche der Archäologie gemeinsam bündeln (staatliche Bodendenkmalpflege, Universitäten, Museen, Firmen, Ausgräber, Techniker, Wissenschaftler). Er könnte Regeln setzen, an die alle sich kraft Selbstverpflichtung halten. Er könnte Verstöße gegen Ethik und Regeln durch Ausschluss aus dem Berufsverband ahnden. Ein Berufsverband wäre ein Garant für professionelles Arbeiten und Arbeitsverhalten in der Archäologie.

Thesen, die in den laufenden Themen derzeit kontrovers debattiert werden:
    • Nein, für eine wirkungsvolle Behebung der finanziellen Krise der Archäologie bedarf es eines verbindlicheren Zusammenschlusses als eines Berufsverbands, nämlich einer echten, öffentlich-rechtlich formierten Archäologenkammer. Oder?
    • Was genau soll denn ein neuer Berufsverband tun, was die bisherigen Strukturen im Fach nicht schon leisten können? Schließlich gibt es ja den DVA als gemeinsames Dach aller archäologischen Institutionen und Vereine. Oder?
    • Wie sollte sich ein neuer Berufsverband legitimieren? Und schicken wir dann den DVA oder den österreichischen Archäologischen Rat oder die Versammlung der Schweizerischen Kantonsarchäologen als Fürsprecher einer gemeinsamen Archäologie in Rente?
    • Hm, es gibt ja bereits Berufsverbände in der Archäologie, wie z.B. den BfK oder den VGFA. Vielleicht wäre es sinnvoll, bei bestehenden Vereinigungen und Verbänden anzuknüpfen und an aufgaben- und branchenspezifische Vertretungen zu denken, anstatt zu versuchen, alle Berufs- und Auf-gabenzweige innerhalb der Archäologie "unter einen Hut" bringen zu wollen. Oder?
    • Ein solcher Berufsverband muss mehr umfassen als "nur" die Archäologie, um schlagkräftig zu sein, da die Imageprobleme (Kultur kostet, ohne aktiven Nutzen zu haben; warum braucht es Geisteswissenschaften überhaupt; warum "lernen die nicht was Richtiges?" etc.) alle Geisteswissenschaften betreffen und so für einen reinen Archäologenverband eine zu große Aufgabe darstellen. Oder?
    • Es muss bei einem Berufsverband Sektionen für jedes einzelne Bundesland geben, da die Bedingungen regional zu unterschiedlich sind. Oder?

Dieser Arbeitsstand gibt ohne weitere Bewertung eine Zusammenfassung laufender Debatten.
Für die DGUF: Diane Scherzler, Frank Siegmund


DGUF-Dok_2017-03-15_Zwischenergebnisse Tagung_I-1.pdf
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Die laufende Debatte findet dort statt: https://www.tagungsforum.dguf.de/viewtopic.php?f=25&t=46

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Zwischenergebnisse zu Sektion I Thema 2: "Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?"

Beitragvon Diane Scherzler » Do 16. Mär 2017, 12:19

Debatte seit 9. 3. 2017, Arbeitsstand 15. 3. 2017

Thesen der Teilnehmer zu "Gewerkschaft"
    • Eine Archäologengewerkschaft ist sinnvoll für Arbeitnehmer in der Archäologie, da sie gezielt deren Interessen vertritt. Arbeitgeber und Unternehmer, Beamte und Selbständige finden darin jedoch keine angemessene Interessenvertretung. Eine reine Archäologengewerkschaft kann nur eine geringe Mitgliederzahl erreichen, da sie nur die Arbeitnehmer vertritt. Sie ist daher schwierig.
    • Es kann für Archäologen sinnvoll, sich individuell in jener bestehenden Gewerkschaft zu organisieren, die ihrem jeweiligen Arbeitsbereich entspricht und sich so für sie einsetzen kann.
Thesen der Teilnehmer zu "Berufsverband"
    • Ein Berufsverband ist sinnvoll, da er - anders als eine Gewerkschaft – die Anliegen und Themen aller Archäologen bündeln kann.
    • Ein Berufsverband ist sinnvoll, da er sich für die Förderung der Belange des ganzen Berufsstandes (und nicht etwa nur eines Teils wie z. B. der Arbeitnehmer) einsetzen kann.
    • Ein Berufsverband sollte wirklich die Anliegen und Themen aller in der Archäologie Beschäftigten bündeln, auch die der Grabungstechniker und Grabungsarbeiter.
    • Ein Berufsverband ist sinnvoll, da er nicht per Anordnung von "oben", sondern auf demokratischem Wege gemeinsam explizite Regeln aufstellt, die dann für alle Mitglieder gleichermaßen gelten.
    • Ein Berufsverband ist sinnvoll, da er Orientierung und Kriterien schafft durch einen Wertekanon, auf den man sich berufen kann.
    • Kein bestehender Berufsverband wie z. B. der DArV konnte bisher genug Schlagkraft entwickeln. Was müsste diesmal anders werden?
    • Einem Berufsverband fehlt die nötige Verbindlichkeit. Daher muss eine verbindlichere, öffentlich-rechtlich konstituierte Archäologen-Kammer gegründet werden.

Organisatorischer Hinweis
Das Thema "Kammer oder Berufsverband" wird zu einem späteren Zeitpunkt noch vertieft diskutiert werden (Sektion VI Thema 3, 2. Mai ff.).


Dieser Arbeitsstand gibt ohne weitere Bewertung eine Zusammenfassung laufender Debatten.
Für die DGUF: Diane Scherzler, Frank Siegmund


DGUF-Dok_2017-03-15_Zwischenergebnisse Tagung_I-2.pdf
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Die laufende Debatte findet dort statt: https://www.tagungsforum.dguf.de/viewtopic.php?f=25&t=47


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