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1. Braucht die deutsche Archäologie einen Berufsverband?

In dieser Sektion diskutieren wir allgemein über das Thema "Berufsverband für die Archäologie": Braucht die deutsche Archäologie einen Berufsverband? Gewerkschaft oder Berufsverband: was ist die angemessene Organisationsform?
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Frank Siegmund
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Re: 1. Braucht die deutsche Archäologie einen Berufsverband?

Beitragvon Frank Siegmund » Mo 20. Mär 2017, 05:39

Sehr geehrter Herr Barke,

viele wichtige Fragen auf einmal! Zu "CIfA & Mindestlöhne": soweit ich gehört habe, hat sich das CIfA in der Vergangenheit bei diesem Thema große Zurückhaltung auferlegt, zuletzt aber Lohnempfehlungen gegeben. Für die Präsenztagung am 4. Juli hat uns ein Vertreter des CIfA die Teilnahme zugesagt. Ich hoffe, dass wir ihn persönlich zu diesem Thema befragen können.

Publikationswesen. Hier muss sich etwas ändern. Es geht nicht an, dass serienweise gute Grabungsberichte im Archiv verschwinden und die wertvolle Arbeit der Ausgräber damit weitgehend unsichtbar bleibt. Ob nun mit oder ohne wissenschaftliche Auswertung: eine gute Grabungsdoku ist ein Wert an sich. In der DGUF wird über dieses Thema viel nachgedacht.

Archäologen, die nicht in der Privatwirtschaft arbeiten, im Berufsverband? Meine Antwort: Wie ist denn die heutige Realität auf dem Arbeitsmarkt für junge Archäologen? Es ist ja nicht so, dass man seinen Dr. macht und dann mit Ende 20 bis ca. 30 zielgerichtet entscheidet: "ich gehe jetzt an die Uni", oder "ich gehe jetzt in die Landesarchäologie". Tatsächlich folgt ja für die meisten ein Weg, der geprägt ist von Unsicherheit, wechselnden kurzen Verträgen, Praktika, Volontariaten etc. Gerade das Milieu Uni ist heute von großer Unsicherheit geprägt. "Dank" Wissenschaftszeitvertragsgesetz gibt eine Grenze: maximal 12 Jahre in Zeitverträgen, danach nie wieder Uni & Forschung. Heisst: entweder man schafft es innerhalb dieser 12 Jahre in die Festanstellung (Professur), oder ist raus aus der Uni. Folglich muss man darauf achten, flexibel zu bleiben und universell verwendbar. Sprich: gerade junge Uni-Leute werden ein hohes Interesse haben, sich durch eine Mitgliedschaft in einem Berufsverband Türen zu Alternativen offen zu halten.

Eine Antwort für diejenigen, die "es geschafft haben", hat Prof. R. Karl hier in diesem Forum schon gegeben: wenn ich als Uni-Mensch Lehrgrabungen durchführe, wie z.B. R. Karl es tut und ich es getan habe, wird man selbst den Anspruch an sich haben, den gängigen Standards zu genügen. Ob's der Arbeitgeber (Uni) nun förmlich fordert oder nicht, man will doch selbst glaubwürdig sein.

Dieser sanfte ethische Druck besteht m.E. auch für die beruflichen Denkmalpfleger. Oder erwarten Sie, dass angesichts vieler Firmenarchäologen in einem Berufsverband die Amtsarchäologen tatsächlich lächelnd draussen stehen wollen nach dem Motto "Qualitätslabel habe ich nicht nötig"? Bilanz: wenn das Ding mal da ist, wird es für alle gut sein, Mitglied zu werden. Ausnahme: man startet das Projekt von Anbeginn an unter dem Vorsatz "nur für Firmen" - dann entfällt jener ebenso sanfte wie wirksame Druck für alle.

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raykarl
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Re: 1. Braucht die deutsche Archäologie einen Berufsverband?

Beitragvon raykarl » Mo 20. Mär 2017, 09:55

Frank Siegmund hat geschrieben:Zu "CIfA & Mindestlöhne": soweit ich gehört habe, hat sich das CIfA in der Vergangenheit bei diesem Thema große Zurückhaltung auferlegt, zuletzt aber Lohnempfehlungen gegeben.

Siehe hier: http://www.archaeologists.net/practices/salary. Derzeitiges Mindestgehalt:
Posts requiring competence/responsibility at PCIfA level - £17,645

PCIfA ist der niedrigste Kompetenzgrad, also das angegebene Jahresgehalt das 'niedrigste zulässige Einstiegsgehalt' für GrabungsarbeiterInnen. Das sind - bei ca. 1,650 Arbeitsstunden pro Jahr gerechnet, was so ziemlich der 'britische Standard' für solche Berechnungen ist - £ 10.69 pro Stunde brutto. Der britische Mindestlohn beträgt (für Personen über 25 Jahren) derzeit £ 7.20 brutto und steigt ab 1 April 2017 auf £ 7.50 brutto (siehe https://www.gov.uk/national-minimum-wage-rates).

Derzeit empfohlener Gehaltsrahmen für Grabungsarbeiter (selbe Quelle wie oben):
PCIfA level competence/responsibility - £19,853 - £20,926

Empfohlener Gehaltsrahmen für Personen mit ACIfA-Kompetenz (z.B. GrabungsleiterInnen):
ACIfA level competence/responsibility - £29,123 – £31,561

Empfohlener Gehaltsrahmen für Personen mit MCIfA-Kompetenz (z.B. GrabungsleiterInnen bei komplexen Großprojekten, Projektmanager, etc.):
MCIfA level competence/responsibility - £36,552 - £40,276

Bitte selber in € umrechnen, wenn wer will. Könnte natürlich noch alles besser sein, aber ist schon einmal wenigstens nicht unanständig. Stellen, die geringer bezahlt sind, werden vom CIfA nicht in ihren Jobletter aufgenommen; und BAJR (die andere britische Stelle, wo man sinnvoll archäologische Jobs bewerben kann, siehe: http://www.bajr.org/employment/) fordert ähnliche 'going rates' (siehe am rechten Rand der Seite). Zwingend ist das natürlich alles nicht, sondern nur der gesetzliche Mindestlohn. Aber wenn man seine Stellen nicht in den einschlägigen relevanten Jobbörsen bewerben kann, weil sie unterbezahlt angeboten werden, dann hat man halt einigermaßen Schwierigkeiten, Personal zu finden, vor allem in Zeiten von Hochkunjunktur (und aktuell bahnt sich gerade ein ArchäologInnenmangel in GB an, d.h. das ist schon relevant - mir versuchen Grabungsfirmen derzeit immer wieder einmal gute Studierende, die mehrere Monate Grabungserfahrung auf unseren Unigrabungen gesammelt haben, aus dem Studium 'wegzuengagieren'). CIfA war tatsächlich bei den Mindestgehältern lange eher zurückhaltend, hat aber in den letzten Jahren zunehmend 'Druck' zu machen begonnen...
Liebe Grüße,
Ray
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Re: 1. Braucht die deutsche Archäologie einen Berufsverband?

Beitragvon HeleneS » Mo 20. Mär 2017, 12:38

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die verständlichen Erklärungen in den bisherigen Kommentaren!

Eine Frage stellt sich mir hier allerdings noch:

Lisa Deutscher hat geschrieben:
Hauptsache ist, es passiert nichts unvorhergesehenes, das die Planung über den Haufen wirft und im Endeffekt viel mehr Kosten verursacht als ursprünglich eingepant: Daher Prio 1 auf "unkompliziert" und "planbar".

Hier kann ein Berufsverband dem Auftraggeber viele Sorgen abnehmen [...]


Wie kann ein Berufsverband verhindern, dass unvorhergesehene Dinge die Planung über den Haufen schmeißen? Ich studiere das Fach zwar erst seit knapp vier Jahren, habe aber bisher die Erfahrung gemacht, dass es Murphy's Law ist, dass bevorzugt an einem Freitag Vormittag oder einen Tag vor Beendigung der Grabungskampagne noch ein Grab oder ein Brunnen aufgedeckt wird.
Muss der Auftraggeber dann noch mit diesem Risiko leben?
Oder waren oben andere Unvorhersehbarkeiten gemeint?

Viele Grüße
Helene Sedlmaier

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Re: 1. Braucht die deutsche Archäologie einen Berufsverband?

Beitragvon HeleneS » Mo 20. Mär 2017, 14:08

Ok, das Dankeschön für die "verständlichen Erklärungen in den bisherigen Kommentaren" bezog sich auf Seite 1 der Kommentare. Ich war beim Antworten wohl etwas voreilig... ;)

Da ich etwas später in die Diskussionen eingestiegen bin, hatte ich bisher leider noch nicht die Zeit, mir ALLE Kommentare durchzulesen und zu überdenken, aber ich bin mir sicher, dass ich dort ebenfalls viele "verständliche Erklärungen" finden werde ;)

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Re: 1. Braucht die deutsche Archäologie einen Berufsverband?

Beitragvon Kristin Oswald » Mo 20. Mär 2017, 17:08

Jens-M. Barke hat geschrieben:Vom Grabungssektor weg: Warum sollten Museen und Universitäten sich darauf einlassen?


Weil Museen und zunehmend auch universitäre Institute meiner Meinung nach in vielen Punkten mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben: Die "Produkte" sind gut, aber die Herstellungsbedingungen oft schlecht. Und warum sind sie das? Weil es für die steigende Zahl an Aufgaben zu wenig Mitarbeiter gibt, die zudem nicht für jede neue Aufgabe qualifiziert sind. Trotzdem tun sie, was sie können - und meist mehr, als sie bezahlt bekommen - damit das Produkt gut wird. Das ist löblich, sicher, aber nur für den Einzelnen, nicht für die Einrichtungen. Ich sehe deshalb in einem Berufsverband die Chance, Mitarbeiter für neue Aufgaben passgenau qualifizieren zu können (damit z.B. nicht mehr nur der Volontär Social Media kann, sondern der zuständige feste Mitarbeiter lernt, wie man Social Media in der Archäologie macht - nicht, wie es in Unternehmen oder in der Physik funktioniert). Und ich sehe darin die Chance, auf Basis von Zahlen und Erhebungen zu untermauern, warum die vorhandenen Mitarbeiter nicht reichen. Das ist ein zentraler, ja wunder Punkt. Und es ist ein Argument z.B. bei der Beantragung von Fördermitteln. Und ich glaube schon, dass Museen, Projekte und Landesämter gleichermaßen ihre Mitarbeiter gern besser bezahlen, langfristiger anstellen und stärker entlasten würden, aber ihnen oft die Argumente und Möglichkeiten fehlen.
Kristin Oswald, M.A.
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Re: 1. Braucht die deutsche Archäologie einen Berufsverband?

Beitragvon Stefan Hesse » Do 23. Mär 2017, 09:49

Frank Siegmund hat geschrieben:Dieser sanfte ethische Druck besteht m.E. auch für die beruflichen Denkmalpfleger. Oder erwarten Sie, dass angesichts vieler Firmenarchäologen in einem Berufsverband die Amtsarchäologen tatsächlich lächelnd draussen stehen wollen nach dem Motto "Qualitätslabel habe ich nicht nötig"? Bilanz: wenn das Ding mal da ist, wird es für alle gut sein, Mitglied zu werden. Ausnahme: man startet das Projekt von Anbeginn an unter dem Vorsatz "nur für Firmen" - dann entfällt jener ebenso sanfte wie wirksame Druck für alle.


Ich glaube nicht, dass es einen irgendwie gearteten "Druck" geben muss, um Archäologen in der Denkmalpflege einer Qualitätsverpflichtung oder Qualitätsprüfung zu unterwerfen. Es ist das ureigene Interesse. Im Großen und Ganzen habe ich den Eindruck, gute Arbeit zu leisten. Beurteilen kann dies aber in der Regel nur jemand von außen. Stellt nun diese Institution fest, dass es Mängel gibt, bin ich froh, dass sie erkannt werden, da ich sie dann abstellen kann. Sollte mir dies mit eigenen Mitteln nicht möglich sein, wäre eine Auflistung der Mängel mit Begründung hilfreich, um mit Vorgesetzten über die Möglichkeiten der Beseitigung der Mängel zu sprechen. Ähnliches gibt es bereits bei den Museen in Niedersachsen und Bremen (und in anderen Bundesländern). Der Museumsverband vergibt ein Gütesiegel für Museen (http://www.mvnb.de/museumsguetesiegel/). Für das Gütesiegel muss man sich als Museum bewerben - es ist somit eine freiwillige Maßnahme. Erreicht das Museum nicht die vorgegebenen Standards, bekommt es zumindest eine Mängelliste mit "Hausaufgaben" (früher im Zuge einer vorläufigen Zertifizierung). Diese kann das Museum nun mit seinem Träger prüfen, ob sie abgearbeitet werden kann. Eine Qualitätskontrolle ist hier eine Hilfestellung gegenüber den Museen. Begleitet wird dieses Verfahren durch zahlreiche Fortbildungen und Beratungstermine. Es ist sowohl für die Museen als auch für die durchführende Institution mit sehr viel Aufwand verbunden.

In der freien Wirtschaft gibt es etwa die Zertifizierung nach ISO 9001 als Mittel des Qualitätsmanagement (https://de.wikipedia.org/wiki/Qualit%C3%A4tsmanagementnorm). Die Zertifizierung und spätere Kontrolle ist sehr aufwändig und teuer. Es gibt daher durchaus Institutionen, die den Zertifizierungsprozess durchlaufen, nur um Prozesse zu optimieren, die eigentliche Zertifizierung aber scheuen.

Beste Grüße

Stefan Hesse

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Re: 1. Braucht die deutsche Archäologie einen Berufsverband?

Beitragvon raykarl » Do 23. Mär 2017, 11:39

raykarl hat geschrieben:Siehe hier: http://www.archaeologists.net/practices/salary.


Frank Siegmund hat mich gebeten, zu meinem obigen Post zu den derzeitigen CIfA-Mindestgehaltsempfehlungen zur Verständnissteigerung noch etwas zu den derzeitigen Lebenshaltungskosten in GB zu sagen. Das ist natürlich nicht so leicht, weil es natürlich dauernde Schwankungen gibt und noch dazu innerhalb des jeweiligen Landes an unterschiedlichen Orten deutlich unterschiedliche Lebenshaltungskosten anfallen können (z.B. macht es einen gewaltigen Unterschied, ob man im Großraum London oder in Nordwestwales arbeitet; und wohl ebenso, ob man in Deutschland im Großraum Berlin oder irgendwo in der Einschicht lebt). Dennoch, ich probiere es:

Eine Gegenüberstellung der Lebenshaltungskosten anhand wichtigerer Indizes und Beispielen findet sich z.B. hier: https://www.numbeo.com/cost-of-living/compare_countries_result.jsp?country1=Germany&country2=United+Kingdom. Das zeigt auch das, was generell meiner Erfahrung entspricht: die Lebenshaltungskosten in GB sind durchschnittlich etwas höher als in Deutschland, um einen Faktor von etwa 1,1-1,2.

Dafür ist aber die Besteuerung niedriger Einkommen im UK deutlich geringer als in DE (siehe https://en.wikipedia.org/wiki/Tax_rates_in_Europe). Z.B. ist der Steuerfreibetrag in DE derzeit scheinbar € 8.354, während man im UK (wenn man weniger als £ 100.000 pro Jahr verdient) Steuer überhaupt erst zu zahlen beginnt, wenn man mehr als £ 11.000 pro Jahr verdient (tagesaktuell ~ € 12.775,58) und diese £ 11.000 auch tatsächlich einkommenssteuerfrei bleiben. Darüber ist dann im UK bis £ 43,000 der Steuersatz 20% (d.h. 20% von den nächsten insgesamt £ 32,000).
Verdient man also die £ 17,645, die CIfA derzeit als absolutes Mindestgehalt festgesetzt hat, schauen nach Steuer und Sozialversicherung (National Insurance Contribution, die etwas komplizierter zu berechnen ist, ich habs einfach eingerechnet) £ 15.325,76 netto raus (tagesaktuell ~ € 17799.58 oder monatlich netto € 1.483,30). Der effektive Einkommenssteuersatz auf dieses Einkommen wäre dabei ca. 8,15%, der effektive Abgabensatz (Einkommenssteuer + Sozialversicherung inklusive Pensionsversicherung) ca. 15,13%.
Für Deutschland kann und will ich das nicht ausrechnen, weil das ist mir zu kompliziert und damit habe ich auch keine Erfahrung; aber ich gehe Mal aus dem was ich im Netz finden kann davon aus, dass sowohl Steuer- als auch Abgabensatz in Deutschland beim gleichen Gehalt höher wäre.

Wie also Einkommen und Lebenserhaltungskosten im Vergleich zwischen DE und UK zu liegen kommen, ist nicht leicht zu beantworten, aber groß dürfte der Unterschied insgesamt nicht sein, vor allem bei niedrigen Einkommen...

Liebe Grüße,

Ray
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Re: 1. Braucht die deutsche Archäologie einen Berufsverband?

Beitragvon Michaela Schauer » Do 23. Mär 2017, 18:17

Lieber Herr Hesse,
vielen herzlichen Dank für Ihre offene und ehrliche Antwort, es freut mich sehr zu hören, dass auch die Kreisarchäologie ihre Vorteile in einem Verband sieht und benennt.

Besten Dank auch für den Hinweis auf das Gütesiegel für Museen - hier zeigt sich in den Kommentaren ganz deutlich, dass die Museen vor ähnlichen Problemen standen oder auch stehen, wie wir es aktuell mit der Archäologie tun.

Für die Leitung war es ein Segen, etwas an die Hand genommen, gezielt informiert und angeleitet zu werden.«
»Für unser Museum war die Registrierung sehr fruchtbringend, weil dadurch alte und bremsende Strukturen aufgelöst werden konnten.«
»auf einmal wurde klar, dass und wo Defizite vorhanden sind.«
»nie zuvor wurde in der Öffentlichkeit auf einem vergleichbaren Niveau über Strukturen, Probleme und Aufgaben von Museen diskutiert.«
»es war sehr spannend eine Rückschau über die vergangenen Jahre zu halten, mit Stolz konnten wir auf vieles zurückblicken, mussten
uns aber auch Versäumnisse eingestehen.«


Vieles, was hier erwähnt wird - Was ist das 'richtige' Verhalten, z.T. überholte fachinterne Strukturen, fehlende Austauschplattformen etc. - kann für die Archäologie durch einen Berufsverband ebenfalls erreicht werden, der ein auf die Archäologie zugeschnittenes 'Gütesiegel' vergibt. Und, nachdem es hier offensichtlich funktioniert, könnte man sich dort Anregungen holen ebenso wie eine Menge Motivation, denn es scheint dort ja gut zu klappen. Warum sollte ein wie auch immer geartetes 'Gütesiegel' nicht auch für die Archäologie 'machbar' sein? :)

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Zwischenergebnisse von Sektion I Thema 1 (Debatte seit 9. 3. 2017, Arbeitsstand 31. 3. 2017)

Beitragvon Diane Scherzler » Sa 1. Apr 2017, 09:52

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

wir haben den Zwischenstand der Diskussion vom 9.-31.3. dort zusammengefasst: viewtopic.php?f=24&t=93&p=454#p453 Auf die weitere Debatte hier in diesem Thema freuen wir uns!


Mit herzlichen Grüßen
Diane Scherzler

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Schließung des Threads zum 08.April

Beitragvon Michaela Schauer » Mi 5. Apr 2017, 11:20

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
Am Samstag, dem 8. April werden wir die ersten Sektionen schließen, weil diese Debatten unseres Erachtens vorläufig fertig sind.
Dies betrifft neben den Sektionen I.2; II.2; III.1; III.2 auch diesen Thread.
Wer an dieser Stelle zu Sektion I.1 noch etwas beitragen möchte, möge dies bitte bis Freitag, 7. April (abends) gerne tun.

Eine Zusammenfassung dieses Threads findet sich unter https://www.tagungsforum.dguf.de/viewtopic.php?f=24&t=93#p453

Beste Grüße


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