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2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Was und wen soll ein erfolgreicher Berufsverband für die Archäologie umfassen? Welche berufsvorbereitende Bildung wünschen sich Grabungsfirmen für Studierende und Studierende von ihren Universitäten?
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Frank Siegmund
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2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon Frank Siegmund » So 5. Mär 2017, 19:19

Im Umfeld der Archäologie gibt es viele Spezialisten, die sehr oft für die Archäologie arbeiten und auch wirtschaftlich eng mit ihr verflochten sind bis hin zum Zustand, dass sie vor allem von Aufträgen aus der Archäologie leben. Beispiele solcher Nachbarn sind physische (biologische) Anthropologen und die Archäozoologen, die Knochen aus archäologischen Kontexten bearbeiten; Archäobotaniker, die Pflanzenreste (Makroreste, Pollen) aus archäologischen Kontexten analysieren; Labore etwa für 14C-Datierung, Dendrochronologie etc., die viel für die Archäologie arbeiten; Spezialisten, die im Bereich geophysikalische Prospektion, Feldvermessung, 3D-Bilder, SfM usw. für archäologische Projekte arbeiten. Einige der genannten Gruppen haben sich in den letzten Jahren zu beruflichen Interessenorganisationen zusammengefunden, andere (noch?) nicht. Sollen und wollen diese der Archäologie nahen Spezialisten trotz ihrer oft anderen Ausbildung Teil eines Berufsverbandes Archäologie werden, oder gehören sie nicht dazu?

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raykarl
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Re: 2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon raykarl » Mo 20. Mär 2017, 17:12

So, auch hier noch, ganz kurz, weil ichs ja schon unter 1. gesagt habe: möglichst alle sollten dabei sein bzw. wenigstens dabei sein können. Kleingrüppchen nutzen niemandem.
Prof. PD Mag.Dr. Raimund KARL FSA FSAScot MCIfA
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Re: 2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon Birgit Anzenberger » Mo 20. Mär 2017, 17:50

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Re: 2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon Jens-M. Barke » Mo 20. Mär 2017, 20:12

Ich finde auch Prof. Raimund Karls Ausführungen unter III.1. sagen alles zu diesem Thema und unterstütze sie.

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Re: 2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon Leif Steguweit » Mi 22. Mär 2017, 11:53

Eine Kammer hat einen Eintragungsausschuss, über die Eintragung gibt es eine staatliche Rechtsaufsicht. Mindesthürde sollte der erfolgreiche Studienabschluss (M.A.) in einem archäologischen Fach sein.

Auch für die Frage der Mitgliedschaft wäre die Diskussion "Was wollen wir eigentlich gründen?" daher wohl sinnvollerweise vorher zu führen. Das ist offenbar erst in Sektion VI (3) ab 2. Mai geplant...

MaryJane
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Re: 2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon MaryJane » Mi 22. Mär 2017, 14:17

...und an diesem Punkt verlassen alle abgebrochenen StudentInnen mit Grabungsjobs, TechnikerInnen mit und ohne offiziellen Abschluss, Quereinsteiger in der Museumspädagogok usw. diese Debatte und gründen eine "Gewerkschaft nichtakademischer archäologisch Tätiger"? Das kann doch nun nicht Sinn der Sache sein...

Herr Steguweit, wenn ich Ihre Ausführungen an anderer Stelle richtig interpretiere, dann geht es Ihnen um eine fachliche Zertifizierung, Qualitätssicherung o.ä. (und ich erhebe hier keinen Anspruch auf die korrekte Definition von Wörtern, es geht mir um die grobe Richtung) für Grabungsfirmen bzw. deren Betreiber. Da macht ein einschlägiger Universitätsabschluß als Mindeststandard natürlich Sinn. Ein Berufsverband könnte sich durchaus darum kümmern, so ein "Label", in welcher Form auch immer, zu vergeben - ohne dass es Mitgliedsvoraussetzung ist, so ein Label selber zu erhalten oder anzustreben. Andersherum wäre die Mitgliedschaft natürlich eine Voraussetzung, so eine Zertifizierung (o.ä.) zu erhalten.
Soweit ich verstanden habe, beinhaltet das Thema "Kammer" ohnehin einen längeren Prozeß - da wäre ein kurzfristiger zu gründender Berufsverband doch eine Möglichkeit, dieses Ziel zu verfolgen (wenn es denn einen Konsens dazu gibt, ich stecke da wirklich nicht im Thema), in der Zwischenzeit nach pragmatischen Lösungen zu suchen - und über eine breite Basis an Mitgliedern mit und ohne Universitätsabschluß Druck aufzubauen, damit es überhaupt zu einem Ergebnis kommt.
Wenn Du willst, was Du noch nie hattest, dann tue, was Du noch nie getan hast.

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Re: 2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon Rashida Hussein-Oglü » Mi 22. Mär 2017, 14:58

MaryJane hat geschrieben:...und an diesem Punkt verlassen alle abgebrochenen StudentInnen mit Grabungsjobs, TechnikerInnen mit und ohne offiziellen Abschluss, Quereinsteiger in der Museumspädagogok usw. diese Debatte und gründen eine "Gewerkschaft nichtakademischer archäologisch Tätiger"?


Nicht nur das: Offenbar sind auch Bachelor-Absolventen raus?

"Leif Steguweit: Mindesthürde sollte der erfolgreiche Studienabschluss (M.A.) in einem archäologischen Fach sein."

(anderes Thema, aber: Wie war das mit dem berufsqualifizierenden Abschluß? :? )

Ich denke: Zertifizierung macht unbedingt Sinn: Zum einen derjenigen, die archäologische Fächer studieren, zum anderen aber auch von Nachbardisziplinen, Spezialisten, Quereinsteigern etc. Denn mal ehrlich: diejenigen die schon seitens der Uni den Stempel "Archäologe" bekommen haben, brauchen nicht noch ein Zertifikat von einer Kammer, die wiederum danach geht was das letzte Zeugnis sagt. Hier geht es doch gerade darum, die ungeheure Vielfalt archäologischer Arbeit und Tätigkeitsfelder unter einen Hut zu bringen, oder?

Also nach den Ausführungen von Herrn Steguweit "Eine Kammer hat einen Eintragungsausschuss, über die Eintragung gibt es eine staatliche Rechtsaufsicht": damit kann eine Kammer nicht das leisten, was ein Berufsverband leisten könnte/müsste.
Möglichkeit: Ein Berufsverband teilt sich NICHT in verschiedene Sektoren, sprich Kleingrüppchen auf, sondern vergibt unterschiedliche Zertifikate, für Spezialisten aus Nachbardisziplinen etwa. Im Sinne von: "Archäologie-TÜV-geprüfter Geophysiker" oder "Archäologie-TÜV-geprüfter Museumspädagoge".

Beste Grüße,
Rashida Hussein-Oglü

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Re: 2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon Philip_Lueth » Mi 22. Mär 2017, 20:01

Das Thema hat auch eine weitere Dimension. Denn natürlich sind auch alle "Hilfswissenschaften" von dem Thema betroffen. Alle Grabungshelfer, alle Restauratoren, die Anthropologen, die Archäolozoologen, Archäobotaniker, Palynologen, Dendrochronologen, Bauhistoriker und auch die Ehrenamtliche.
Alle diese Gruppen sind von den Entwicklungen und der Auftragsituation im Fach mehr oder weniger direkt abhänig und verdienen damit auch ein Mitspracherecht.
Um ein Konkretes Beispiel zu nennen: In den Grabungsrichtlinien des BLFD ist bei der Auffindung von Gräbern das Hinzuziehen eines Anthropologen zwingend vorgeschrieben. Wahrscheinlich aus diesem Grund gibt es gerade in Bayern viele selbstständige Anthroplogen. Ein Berufsverband kann u.a. auch darauf hinwirken, dass solche Auflagen Bundesweit übernommen oder sogar auf andere Fachbereiche wie Zoologie, Archäobotanik oder Palynologie ausgeweitet werden.
Ähnliches gilt für Restauratoren. Ich kenne eine ganze Reihe freiberuflicher Restauratoren, die je nach Großprojektlage mehr oder weniger gut von ihrer Arbeit leben können. Auch hier ließe sich auf eine Verbesserung der Situation hinwirken.
Das Masseargument von Ray Karl sehe ich als zweitrangig (sorry). Als erstes muss ein Verband die interessen der einzelnen Berufsgruppe auch direkt und offen vertreten.
Um es platt zu formulieren: Wer dem Verband beitritt muss auch etwas davon haben.

Leif Steguweit
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Re: 2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon Leif Steguweit » Mi 22. Mär 2017, 20:36

Die Frage stellt sich doch eher, welche vergleichbaren Strukturen es für vergleichbare Berufe gibt. Wenn Ihr unbedingt einen Verband für alle gründen wollt, dann tretet doch der DGUF bei, nennt die in CIFA-Deutschland um und erzählt allen, die DGUF hätte Euch "akkreditiert". Die Frage ist nur, wen das in der freien Wirtschaft interessiert...
In diesem Forum wurden schon die richtigen Ansätze genannt und es hat den Eindruck, dass gemeinsame Interessen da sind:
1) Wer sind die Stakeholder?
2) Was wollen wir (Archäologen mit Berufsabschluss) eigentlich gründen, um auf Augenhöhe mit anderen akademischen Berufen zu stehen (Architekten, Anwälte, Apotheker...) Fangen übrigens auch alle mit A an, also wer sagt´s denn? ;)

Gruß LS

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Rashida Hussein-Oglü
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Re: 2. Schließt ein erfolgreicher Berufsverband Archäologie auch Nachbardisziplinen und Spezialisten mit ein?

Beitragvon Rashida Hussein-Oglü » Do 23. Mär 2017, 00:08

Leif Steguweit hat geschrieben:Die Frage stellt sich doch eher, welche vergleichbaren Strukturen es für vergleichbare Berufe gibt. Wenn Ihr unbedingt einen Verband für alle gründen wollt, dann tretet doch der DGUF bei, nennt die in CIFA-Deutschland um und erzählt allen, die DGUF hätte Euch "akkreditiert".


Leicht polemisch: Da die DGUF sich ausdrücklich dagegen ausgesprochen hat eine Metamorphose zum Berufsverband zu machen, ist diese Aussage wohl hinfällig. Abgesehen davon ist klar, dass eine "Akrreditierung" nicht mit der Ausstellung einer Mitgliederbescheinigung getan ist.

Leif Steguweit hat geschrieben:Die Frage ist nur, wen das in der freien Wirtschaft interessiert...


Dazu hat Herr Piffko schon im Zusammenhang mit Ehrenamt und Citizen Science im Forum II.2 treffenst formuliert:
"Eine Sache darf zudem nicht vergessen werden:
Ein Berufsverband braucht breite Unterstützung und nicht zuletzt Finanzierung. Ehrenamtliche, Laien, Förderer, Ehemalige, etc. können dem Verband mehr Gewicht und Möglichkeiten geben. Ein Verband muss in großem Umfang Lobby-Arbeit betreiben. Hier sind Kontakte über die Archäologie-Szene hinaus sehr hilfreich
."
Auch zu den Aspekten von Wirtschaftlichem Nutzen bei Zusammenschluss mit Museen, Landesdenkmalämtern etc. wurde schon in diversen anderen Beiträgen in anderen Foren Gutes und Wichtiges gesagt (hier gehen die Themenbereiche leicht durcheinander...)

Leif Steguweit hat geschrieben:Was wollen wir (Archäologen mit Berufsabschluss) eigentlich gründen


Warum landen wir immer wieder beim Berufsabschluss? *amKopfkratz*

Leif Steguweit hat geschrieben:In diesem Forum wurden schon die richtigen Ansätze genannt und es hat den Eindruck, dass gemeinsame Interessen da sind

Eben drum! ;) um also beim Thema zu bleiben: Ich schließe mich der Aussage von Herrn Karl an: "möglichst alle sollten dabei sein bzw. wenigstens dabei sein können. Kleingrüppchen nutzen niemandem."

Beste Grüße!


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