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Warum ist mir die Debatte um einen Berufsverband wichtig, warum beteilige ich mich aktiv an ihr?

Warum verfassen Sie Beiträge, warum lesen Sie mit und/oder diskutieren die Positionen aus der Debatte mit Ihren Kollegen? Hier ist Platz, sich dazu aus persönlicher Perspektive zu äußern. Anders als z. B. bei "Meine Geschichte, meine Erfahrungen" sollen die Äußerungen für sich stehen bleiben dürfen und nicht gegenseitig bewertet o. debattiert werden.
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Stephan Frey
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Re: Warum ist mir die Debatte um einen Berufsverband wichtig, warum beteilige ich mich aktiv an ihr?

Beitragvon Stephan Frey » Mo 17. Apr 2017, 19:52

Ein Berufsverband für Archäologie ist grundsätzlich wichtig. Allerdings gibt es ein aus meiner Sicht wichtiges Hindernis, nämlich die Einheitlichkeit der Ausbildung. Während beispielsweise die Approbationsordnung für Mediziner bundeseinheitlich das Studium hinsichtlich der Ausbildungsinhalte als Rahmen regelt, gibt es im Bereich der Archäologie eine solche Vereinheitlichung, mit Ausnahme von nicht als verbindlich geltender Empfehlungen unterschiedlicher Verbände (in Bezug auf den Bereich der Ur-und Frühgeschichte) nicht, von den anderen Archäologien (Ägyptologie, Provinzialrömische Archäologie, Klassische Archäologie, etc.) ganz zu schweigen. Statt dessen wird das persönliche Interesse und der persönliche Arbeitsschwerpunkt des jeweiligen Lehrstuhlinhabers als Maßstab für den jeweiligen Ausbildungsbereich und damit die jeweilige Universität genommen. Die hier angesprochene Diskussion von schwarzen Schafen und die Archäologie schädigenden Personen würde sich bei einer Angleichung der Ausbildungsinhalte weniger stellen. So jedoch wirkt sich die unterschiedliche Ausbildung an den einzelnen Universitäten letztendlich auch auf so manche Arbeitsweise aus, denn während Absolventen von Universität A als besonders gut gelten, sind Absolventen von Universität B mitunter weniger gern in Bundesland C gesehen, hier spielt letztendlich auch der Streit und die Konkurrenz der jeweiligen Lehrstuhlinhaber um den archäologischen Stein der Weisen mitunter (aber Gott sei Dank immer weniger!) eine Rolle.

Während beispielsweise in Kiel an der CAU oder an der RUB Bochum besonderes Augenmerk auf Praxis und der Transfer von Forschung in die Wirtschaft gelegt wird, gibt es mitunter Institute, die weiterhin die Forschung und nur die Ausbildung für die Universitätslaufbahn ausgestalten. Ein Berufsverband für Archäologen macht Sinn,aber nur dann wenn die Ausbildung vereinheitlicht wird. Angesichts des föderalen Prinzips sollte zumindest eine, bezogen auf den Geltungsbereich des jeweiligen Denkmalschutzgesetzes (also auf Länderebene), Anpassung der Ausbildungsinhalte stattfinden. Letztlich gibt es ja auch bei der Ärzteausbildung Unterschiede an den einzelnen Universitäten, aber der Rahmen sollte einheitlich gesteckt werden. Jeder Lehrstuhlinhaber soll und muss frei forschen können (Grundrecht aus Art 5 III GG), aber dennoch muss ein einheitliches Ausbildungskriterium als Rahmen (ähnlich wie das (Raumordnungsgesetz) ROG im Verhältnis zu den Landesplanungsgesetzen und das Verhältnis zum Baugesetzbuch als Rahmengesetz dient) geschaffen werden. Nur dann macht ein Berufsverband auch Sinn. Denn Professionalität muss in München ebenso wie in Kiel oder Rostock oder Bochum in jeder Art und Weise vergleichbar sein! Ohne dieses Grundkriterium macht ein Berufsverband aus meiner Sicht keinen Sinn.

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Re: Warum ist mir die Debatte um einen Berufsverband wichtig, warum beteilige ich mich aktiv an ihr?

Beitragvon Käthchen » Di 18. Apr 2017, 12:56

Warum ist mir die Debatte um einen Berufverband wichtig?
Dazu würde mir jede Menge Antworten einfallen. Das Meiste und vielleicht alles ist ja auch schon gesagt worden. Mir bleibt nur übrig, dass ich so eine Diskussion wie auf dieser Vortagung während meines Berufsleben als Archäologin (haupsächlich Feldarchäologin bei ständig wechselnden Einsatzorten im gesamten Norddeutschen Raum, jetzt Rentnerin) vermisst habe. Ich wünsche mir und unserem Fach eine Organisation, die nach "Außen" wie nach "Innen" gleichsam schlagkräftig wirken kann.
Dem gesamten DGUF-Team muß ich an dieser Stelle auch mal danken, dass sie diese Debatte initiert haben. Ich hoffe, dass das gesetzte Ziel im Interesse aller in und um die Archäologie Beschäftigten erreicht wird.

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Re: Warum ist mir die Debatte um einen Berufsverband wichtig, warum beteilige ich mich aktiv an ihr?

Beitragvon Doreen Moelders » Di 18. Apr 2017, 22:04

Als erstes möchte ich mich bei den Organisator_innen dieser Tagung recht herzlich bedanken, wegen des Tagungsthemas einerseits und wegen des ungewöhnlichen, aber offenen und richtungsweisenden Tagungsformates andererseits. Zugegeben, es hat (leider) gedauert, die Gelegenheit für eine Wortmeldung zu ergreifen – und für einen Kommentar bei einigen Themen ist es sogar zu spät – aber schon das Nachlesen, sich informieren ist interessant, regt an und ermuntert dazu, die eigene Position zu reflektieren.
Die Diskussion um einen Berufsverband Archäologie kann ich aus verschiedenen Gründen nachvollziehen. Zwar melde ich mich inzwischen aus einer sicheren, „arrivierten“ Stelle zu Wort, weiß aber aus eigener Erfahrung und von genügend Kolleg_innen auch, wie unbefriedigend, belastend und bisweilen lähmend die prekären Arbeitsverhältnisse mit Zeitverträgen an den Unis, den Ämtern, den Museen oder bei Grabungsfirmen sind. Grund genug für einen Berufsverband! Aber auch in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis ist nicht alles Wattepusten. Die „Priorisierung der Arbeiten“ wie es Stefan Hesse in seinem Beitrag vom 22. März so gut formuliert hat, ein Orchester an Verwaltungsaufgaben und eine hohe Arbeitsbelastung aufgrund knapper öffentlicher Finanzierung bei gleichzeitig steigendem Aufgabenspektrum nagen am Zeitkonto und an den Frei- und Interessensräumen und führen zum Rückzug ins Abhaken langer To-Do-Listen mit Fokus auf Eigeninteressen. Insofern möchte ich Stefan Hesse zustimmen:

Stefan Hesse hat geschrieben:Die lediglich passive (?) Teilnahme ist nicht mit einem Desinteresse oder gar Ablehnung gleichzusetzen.


Ein Berufsverband sollte daher offen für die Probleme aller in der Archäologie tätigen Personen sein, unabhängig von Position, Arbeitsverhältnis, Ausbildung etc. Und nach dem, was ich gelesen habe, gingen die meisten Statements der wichtigen Sektion III.1in diese notwendigerweise richtige Richtung, ergänzt um Punkte der Qualitätssicherung, Ausbildungsformate, Interessensvertretung gegenüber Politik und Investoren usw. Eine wirklich empfehlenswerte Debatte mit angenehmer Diskussionskultur, die den Bedarf nach einer professionellen Interessensvertretung auf mindestens nationaler Ebene gut auf den Punkt bringt. Stellt sich für mich nur noch die Frage: bin ich eigentlich noch eine Archäologin? Meine Ausbildung mit Magister und Promotion in Ur- und Frühgeschichte lässt daran keinen Zweifel und auch während meines Arbeitsverhältnisses an der Universität stand das Berufsfeld Archäologin sowohl in der Eigen- als auch in der Fremdwahrnehmung nicht zur Debatte. Erst mein Wechsel ins Museum hat in gewisser Weise zu einem Wechsel einer beruflichen Identität geführt, der nicht ausschließlich selbst gewählt ist. Ein Blick auf die Arbeitsfelder der Diskutanten bestätigt, der Bereich Museum hat keine laute Stimme in der Archäologie. Dementsprechend würde ich mich derzeit in einem Berufsverband Museum wohl auch besser vertreten fühlen, insbesondere In Bezug auf Qualitätssicherung und strukturelle Belange eines Tätigkeitsfeldes Museum. Andererseits könnte auch genau dieser Umstand beflügeln, um für die Bedürfnisse von Museumsarbeit im Fach Archäologie zu sensibilisieren, denn der Raum Museum ist schon lange nicht mehr nur ein Schaufenster der Landesarchäologien, sondern generiert neue Fragestellungen und Sichtweisen auf archäologische Quellen.
Ein Berufsverband Archäologie müsste eben diese Vielstimmigkeit des Faches abbilden, eine schwierige Aufgabe, die ich aber dann sehr gern unterstütze. Und wer sagt, dass man sich nur in einem Berufsverband zu hause fühlen kann.

Viele Grüße
Doreen Mölders

NetterMillionär
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Re: Warum ist mir die Debatte um einen Berufsverband wichtig, warum beteilige ich mich aktiv an ihr?

Beitragvon NetterMillionär » Mo 22. Mai 2017, 00:17

Hallo,

ich persönlich beteilige mich an der Diskussion, da ich mir sicher bin, dass im Prinzip in der ganzen Gesellschaft eine neue Ära/Epoche beginnen muss. Ich glaube, dass dieses an und für sich von der Mehrheit erwünschte, dringend notwenige Umhandeln (das Umdenken findet schon statt, dauert aber ganz schön lange - siehe z. B. Energiewende und ist nicht zuletzt wegen der schleppenden Demokratie festgefahren) hin zu einer durch und durch fairen national-europäisch-globalen Gesellschaft nun von irgendwem initiiert werden muss.

Nun wer oder was sollte dies nun heute oder baldmöglichst tun diesen völlig unkontrollierten Selbstläufer-Wahnsinn umzulenken? Künstler, Politiker, Schriftsteller, Wissenschaftler, Arbeiterklasse, Aufstände, Schicksal? Nehmen wir doch mal das kulturell blühende Beispiel Paris als Metapher unserer Gesellschaft. Im Zentrum (nur das ist ironischerweise Paris) leben etwa 2 Millionen Menschen in Saus und Braus, in Luxus. Eingekesselt werden diese unermesslich Reichen von den Nichtparisern der sogenannten Bannmeile, 12 Millionen an der Zahl, die aber die "Hilfsarbeit" machen dürfen und auf die man, wenn die mal ihre Unzufriedenheit sanft ausdrücken wie 2005 geschehen, gerne mit dem Finger zeigt und etwa St. Denis nun sich selbst überlässt (zum Glück muss man aus gewissen kulturellen Gesichtspunkten sagen). Wer oder was ist nun wirklich in der Lage derartiges zu ändern? Wie wichtig ist es eigentlich soetwas zu ändern? Bin ich selbst bereit meinen Wohlstand zu halbieren, damit es anderen besser geht?

Ich glaube die (Geistes-)Wissenschaften könnten und müssten mit gutem Beispiel vorangehen, Lösungen nicht nur benennen, sondern auch praktizieren und eine Säule der Gesellschaft sein.
Ich finde die private Firmenwirtschaft, wie sie derzeitig praktiziert wird, überholenswert nicht zuletzt in der Archäologie. Firmenchefs sollten Firmenmanager werden mit einem festgelegten Gehalt, was auch besser für sie ist. Mal ehrlich, was ist denn eigentlich die Motivation eine Firma zu gründen? Selbstverwirklichung, reich werden, Chef sein? Momentan ist es wohl das Schlaueste, was man machen kann als Absolvent. Ich höre aus den Beiträgen bisher eigentlich heraus, dass Konkurrenz nicht so sehr das Geschäft belebt- wenn ja eher im Negativen; oder irre ich mich da? Zufrieden klingt hier keiner. Deswegen meine ich, das kapitalistische, profitorientierte Firmenprinzip gehört nicht in die Archäologie, nicht in den Kultursektor. Es sollte bedarfsorientiert Firmenmanager pro Bundesland mit einem Arbeiterkontingent geben, die den Unteren Denkmalbehörden unterstehen (eine allzugroße Veränderung ist dies, wenn man genau überlegt, nun auch wieder nicht). Die weiteren Konsequenzen und Auswirkungen auf eine kontrollierte, fairere, qualitätvollere Arbeitswelt kann man sich denke ich leicht ausmalen. Es ist eine Weiterentwicklung des rein staatlichen und des rein privaten Systems, quasi eine Synthese, ein Kompromiss. Mal ganz ehrlich und Hand aufs Herz, wir haben das Jahr 2017, also mindestens eine Generation nach dem Ursprung des Sachverhaltes. Wieso wird erst jetzt gehandelt? Wir haben die Sachen nicht im Griff. Soll ich jetzt auch noch zwei, drei Firmen gründen? Nun ja, ein einziger NichtNetterMillionär würde reichen um deutschlandweit das Firmensystem durch immenses Preisdumping zu zerstören; so angreifbar ist die freie Marktwirtschaft, nicht wahr? (siehe Solarenergie und die bösen, bösen Chinesen, ist das Gejammere gerade groß).

Und etwas anderes wünsche ich mir und auch allen anderen: Eine einzige europäische Jobdatenbank für Archäologen mit besser ausformulierten Ausschreibungen, woraus klipp und klar hervorgeht, wer sich da - nur noch online - bewerben darf. Diese Datenbank sollte mit einem persönlichen Profil zugänglich sein und mit einer sinnvollen, intelligenten Suchmaske zu erwünschten Stellenangeboten führen.

Dementsprechend halte ich einen humanwissenschaftlichen Berufsverband für unabdingbar.

Wir brauchen einen kompetenten Berufsverband, weil Führung nicht ganz so leicht ist, wie sich viele anmaßen:
- Mietpreisbremse funktioniert nicht
- Nein heißt nein.
- Rauchen verbieten, wieder erlauben, wieder verbieten (weiter diskutieren).
- Abitur 8 oder 9 ach ne doch 9 oder wieder 8?
- Studiengebühren einführen, dann wieder abschaffen, Geld geklaut und nicht zurückerstattet
- Rauchen ab 18 (hm 16 war vielleicht doch zu jung???)
- 50 Archäologen studieren lassen, einen einstellen
- ach, THC ist doch ein Heilmittel?
- ups, noch ein Krieg, ups Krieg zu Hause
- 0% Zinsen
- 80% weniger Fluginsekten
- 50% weniger Vögel
- Monsanto und Bayer haben schon erfolgreich AgentOrange produziert
- Chemie schadet doch nicht der Gesundheit, Diesel auch nicht
- wer viele Fremdsprachen spricht ist intelligent; ein Ausländer, der 6 Sprachen spricht aber nicht

Danke an die Generation vor uns! Ihr sagt uns aber ständig, dass meine Generation schlechter wäre. Alles ist so dermaßen kompliziert geworden in der Welt. Wir sollen jetzt 5 am besten 7 Computerprogramme beherrschen, drei Abschlüsse BA MA Dr machen, ihr "nur" den Dr. Wir müssen super zeichnen, früher war nochnichtmal ein N-Pfeil drauf. Die Abschlußarbeiten sind dreimal so lang, Ende oben offen (Dr. des., du darfst publizieren, du nicht, du online). Hat das jemand noch im Griff? Das muss doch mal reguliert werden. Wollen wir das wirklich aus der Beschäftigung mit unseren Vorfahren herausholen, so wie es jetzt aktuell ist? Oder müssen wir nicht erstmal wieder Mensch werden, bevor wir weiter machen.

Der Bau-Flächenverbrauch liegt in Deutschland derzeitig bei 60 ha pro Tag! Das ist doppelt soviel wie eigentlich vorgesehen. Wieso springt die Archäologie nicht schon jetzt den sichtlich angeschlagenen mundtot gemachten Grünen zur Seite und prangert diesen wesentlich zu hohen Flächenverbrauch an? Wir wollen doch die Denkmäler im Boden belassen und der Natur tuts auch gut. Da haben wir ohnehin in Zukunft (man sollte immer weiter als 50 Jahre denken und Gebäude und Museen für länger als 50 Jahre bauen) nur noch halb soviele Flächen archäologisch zu untersuchen. Ich vermute das aktuell anstehende Straßenbauprogramm ist das letzte umfänglich große in Deutschland; noch mehr Bundestraßen gehen ja auch nicht. Es kann also sein, dass die nächsten 20 Jahre die archäologische Blüte in Deutschland sind und danach rein mengenmäßig Grabungen rapide einknicken. Das wäre ein gutes Argument für höhere Zahlungen und optimale Konditionen bei jetzigem Zeitpunkt.

https://www.google.de/search?q=fl%C3%A4 ... 8gffvpjoBQ
http://www.umweltbundesamt.de/daten/fla ... hrsflaeche


Freundliche Grüße
Zuletzt geändert von Diane Scherzler am Mo 22. Mai 2017, 10:27, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Vier Beiträge zu einem zusammengefügt.

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Re: Warum ist mir die Debatte um einen Berufsverband wichtig, warum beteilige ich mich aktiv an ihr?

Beitragvon Sascha Piffko » Do 25. Mai 2017, 00:28

Lieber NetterMillionär,

interessante Gedanken,
aber ich bin der Meinung dass freies Unternehmertum der Motor unserer Wirtschaft ist. DerWettbewerb beflügelt die Technik. So sollte es zumindest sein.
Leider sind in der Archäologie die Mechanismen des freien Marktes weitgehend außer Kraft gesetzt. Projektbezogene Einstellung fördert nicht die Motivation und nicht die Weiterentwicklung der Mitarbeiter. Kalkulationsanfragen mit festen Stundenanzahlen (1200 Stunden Grabungsleiter, 1200 Stunden Techniker, 4800 Stunden Helfer...) laden nicht ein zu Investitionen in neue Technik und zu schnellem Arbeiten. Sondern zu sie zwingen zu Billiglöhnen.
Es gibt zwei Möglichkeiten:
1) freie Grabungsfirmen in einem sauberen Wettbewerb nach fairen Bedingungen. Wie sonst überall in unserer Wirtschaft.
2) eine reine Amtsarchäologie, die aber dann feste unbefrsitete Verträge abschließt und einen landeseigenen Betrieb aufbaut.
Forschung und Denkmalschutz darf nicht zu Lasten der Forscher und Denkmalschützer gehen.
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Re: Warum ist mir die Debatte um einen Berufsverband wichtig, warum beteilige ich mich aktiv an ihr?

Beitragvon NetterMillionär » Fr 26. Mai 2017, 04:51

Lieber Sascha Piffko,

mit der zeit gehen und Technik anzunehmen ist klar gut. Die Entwicklung bei Industrialisierung 4.0 geht aber da hin, dass der Mensch gar nicht mehr gebraucht wird und dies auch aggressiv umgesetzt werden wird. Und in der Archäologie habe ich auch das Gefühl, wenn einer eine Maschiene entwickeln würde,die mit einem Klick alle Fragen der Wissenschaft beantwortet, man würde es machen wollen. So ein Handeln und Wunschdenken verstehe ich nicht und ich verstehe auch nicht wieso da nicht bewusst gegengesteuert wird und wir bald nur noch vorm Computer hängen.
Ind. 2.0 war das wo zum Beispiel in der Autoindustrie Maschienen Menschen ersetzten und gewaltige Produktions/Lagerhallen ohne fenster gebaut wurden (mal drauf achten am Rande der Autobahn, da schuften Menschen drin). Und der freien Marktwirtschaft ist es auch in der Archäologie egal, dass der Beruf des Zeichners irgendwann wegfallen wird (handyapp). Wenn jemand eine Planum1-Putzmaschiene auf den Markt wirft für 4.000 Euro und solarbetriebenem Antrieb irgendwann... usw. alles technisch umsetzbar.
Bei all der Technisierung arbeiten irgendwie immer noch alle 40 Stunden die Woche, nicht eine einzige Minute hat uns irgendein technisches Gerät geschenkt. Den Computer gibts jetzt einfach, an Lohn und Zeit hat sich ja nix geändert, im Gegenteil man muss mehr machen (klar Quali ist unter gewissen Aspekten gestiegen).

Deswegen finde ich eigentlich gehört die Archäologie nicht in die Hände der privaten Wirtschaft, aber auch nicht in die Hände der Politik (sind mir zu viele unqualifizierte Berufsquereinsteiger drin), sondern unter eine mächtige, strenge, aber zugleich nette Handwerkskammer bzw. einen Rat der Weisen. Weise ist es den Zeichner zu erhalten, da man hierdurch seinen Geist formt und es nicht schaden kann wenigstens ein paar Menschen mit Geist noch zu haben bei diesen ganzen Zombies heutzutage.
Zuletzt geändert von Diane Scherzler am Fr 26. Mai 2017, 09:50, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Zwei zusammenhänge, aufeinander folgende Beiträge in einen gepackt.

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Re: Warum ist mir die Debatte um einen Berufsverband wichtig, warum beteilige ich mich aktiv an ihr?

Beitragvon Diane Scherzler » Fr 26. Mai 2017, 14:10

Lieber Sascha Piffko, lieber NetterMillionär,

darf ich Sie freundlich daran erinnern, dass zum Start dieses speziellen Themas darum gebeten wurde, hier nicht die Gründe, warum man sich aktiv an der Debatte um einen Berufsverband beteiligt, untereinander zu debattieren? Jeder Grund ist für sich in Ordnung. Es geht hier in diesem Thema ausschließlich darum, dies für sich selbst kundtun zu können.

Beste Grüße,
Diane Scherzler


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