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01. Berufsverband setzt Rahmenbedingungen

Welchen Leistungsumfang sollte ein erfolgreicher, starker Berufsverband Archäologie haben?
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NetterMillionär
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Re: 01. Berufsverband setzt Rahmenbedingungen

Beitragvon NetterMillionär » Do 1. Jun 2017, 20:13

Hallo Herr Prill,

Hm bis mein Name wieder gelöscht wird, wird wohl ein bisschen dauern-eigentlich möchte ich doch ganz gerne anonym bleiben (Gerwerkschaftler und so). Das fußt auf dem Kartellrecht. Verbände haben zwar gesetzlich eingeschränkte Möglichkeiten und es sind ihnen nicht komplett die Hände gebunden bei Preisen. Preise dürfen aber nicht zum Schaden des Auftraggebers kalkuliert werden. Auch Einzelpersonen sind haftbar. Ich bin auf dem Stand, dass allein schon ein Gespräch bei einem Bierchen zwischen zwei Firmenchefs strafbar ist. Man muss da schon aufpassen, da man sich so erpressbar machen kann, die Strafen sind nicht unbeträchtlich. So wie ich es verstanden habe, sind innerhalb der Preisspanne (Auftragsvolumen) die aktuell gegeben ist z. B. hier in der Archäologie jederzeit Kalkulationen und Preise möglich (umfairteilen ist legal). Nur eben nicht nach oben.

Hier nur zwei Beispiele von vielen (ähnliche Rechtsauffasung auch in Frankreich):
http://www.bundeskartellamt.de/SharedDo ... peten.html
http://www.vilf.de/fileadmin/user_uploa ... lrecht.pdf

Schöne Grüße zurück
NetterMillionär

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Re: 01. Berufsverband setzt Rahmenbedingungen

Beitragvon Diane Scherzler » Do 1. Jun 2017, 20:42

(Kurz in administrativer Sache, netter Millionär,

Sie haben selbst Ihren Namen unter einigen Ihrer Posts offen gelegt und es sich ein oaar Tage danach anders überlegt. Sie baten unsere Moderatoren dann, alle Beiträge, in denen Sie mit Ihrem Klarnamen angesprochen wurden, einzeln und händisch wieder zu re-anonymisieren. Das bedeutete auch, dass von uns alle Posts in den Sektionen und Themen, in denen Sie schreiben, durchgesehen werden mussten, ob da Ihr Name drin steht. Auch gehen die Moderatoren nicht einfach ändernd in Beiträge Dritter hinein, ohne das mit den betreffenden Personen abzusprechen. Das alles ist nun jedoch vor wenigen Tagen geschehen, da wird also nichts "noch dauern".

Ich möchte Sie freundlich darauf hinweisen, dass alle Arbeit der Moderatoren und Administratoren dieser Vortagung völlig ehrenamtlich geschieht, in der persönlichen "freien" Zeit. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass dem irgendwann auch Grenzen gesetzt sind.


Mit freundlichen Grüßen
Diane Scherzler)

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Re: 01. Berufsverband setzt Rahmenbedingungen

Beitragvon Michaela Schauer » Do 1. Jun 2017, 20:43

Lieber NetterMillionär,
wenn man den Leitfaden liest finden sich auf Seite 9 und 10 Folgendes
Bundesverband der deutschen Industrie e.V. - Leitfaden Kartellrecht hat geschrieben:FREIGESTELLT vom Kartellverbot sind ausnahmsweise wettbewerbsbeschränkende Vereinbarungen zwischen Unternehmen, Beschlüsse von Unternehmensvereinigungenoder aufeinander abgestimmte Verhaltensweisen, die
– unter angemessener Beteiligung der Verbraucher an dem entstehenden Gewinn,
– zu einer Verbesserung der Warenerzeugung oder -verteilung oder zur Förderung des technischen oder wirtschaftlichen Fortschritts beitragen,
– ohne dass den beteiligten Unternehmen Beschränkungen auferlegt werden, die für die Verwirklichung dieser Ziele nicht unerlässlich sind, und
– ohne dass Möglichkeiten eröffnet werden, für einen wesentlichen Teil der betreffenden Waren den Wettbewerb auszuschalten


Ist hier nicht einiges dabei, mit dem man für eine 'Preisabsprache zur Verbesserung der Lohnbedingungen aller in der Archäologie Beschäftigten' bzw. für eine 'Preisabsprache zur Verbesserung der qualitätvollen Beobachtung und Dokumentation von archäologischen Quellen' argumentieren könnte?
Ich stelle mir in meiner jungen Naivität gerade vor, dass das machbar wäre - auch wenn es noch von einem Jursiten geprüft werden müsste bzw. über einen solchen laufen müsste.
Beste Grüße

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Re: 01. Berufsverband setzt Rahmenbedingungen

Beitragvon NetterMillionär » Do 1. Jun 2017, 22:36

Liebe Kollegen,

diese Gespräche hier sind nach meinem jetzigen Stand erlaubt, wir haben das Recht auf die sogenannte Koalitionsfreiheit (Grundgesetz Art. 9 Abs. 3 GG ).

Quelle
https://dejure.org/gesetze/GG/9.html

Zitat
(3) 1Das Recht, zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen Vereinigungen zu bilden, ist für jedermann und für alle Berufe gewährleistet. 2Abreden, die dieses Recht einschränken oder zu behindern suchen, sind nichtig, hierauf gerichtete Maßnahmen sind rechtswidrig. 3Maßnahmen nach den Artikeln 12a, 35 Abs. 2 und 3, Artikel 87a Abs. 4 und Artikel 91 dürfen sich nicht gegen Arbeitskämpfe richten, die zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen von Vereinigungen im Sinne des Satzes 1 geführt werden.

Auch Gespräche über unsere Löhne sind erlaubt und die Verschwiegenheitsklausel in unseren Arbeitsverträgen ungültig:
http://www.arbeitsrecht.de/rechtsprechu ... rechen.php

Aber Grenzen wird es schon geben, wo sind die?

Alle Angaben ohne Gewähr, aber ist schon gut recherchiert
Schöne Grüße
NetterMillionär

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Re: 01. Berufsverband setzt Rahmenbedingungen

Beitragvon NetterMillionär » Do 8. Jun 2017, 00:59

Liebe Kollegen,

ein Berufsverband setzt Rahmenbedingungen - hm, was heißt das jetzt konkret in puncto Löhne?
Schaut man mal zu dem englischen Prüfsystem CIfA, was ja hier momentan als Berufsverbandsystem favorisiert wird, was es dort für Rahmenbedingungen gibt bezüglich Lohn. Also was verdiene ich denn da nun?

Rechnung in Pfund £ (in Klammern €) in BRUTTO!;

PCIfA (die niedrigste Qualifikationsstufe eines professionellen Archäologen)

MINDESTGEHALT
ca. 18.000 Pfund (20,699€) im Jahr
: 12 = 1500 (1725€) pro Monat
: 160 = 9,375 (10,78€) pro Stunde
Vom NETTO (!) abzuziehen Jahresbeitrag CIfA 125 (144€)

MAXIMALGEHALT/AUFSTIEGSSCHANCEN
ca. 21.000 Pfund (24,149€) im Jahr
: 12 = 1750 (2.012€) pro Monat
: 160 = 10,9375 (12,58€) pro Stunde
Vom NETTO (!) abzuziehen Jahresbeitrag CIfA 125 (144€)

ACIfA (die mittlere Qualifikationsstufe eines professionellen Archäologen)

MINDESTGEHALT
Entspricht dem Maximalgehalt des PFIfA (s. o.)

MAXIMALGEHALT
ca. 27.100 Pfund (31.163€) im Jahr
: 12 = 2258,33 (2597€) pro Monat
: 160 = 14,11 (16,23€) pro Stunde
Vom NETTO (!) abzuziehen Jahresbeitrag CIfA 171 (197€)

- Der gesetzliche Mindestlohn in Großbritannien beträgt 9,23€ !
Die Stundenlöhne sind also als PCIfA zwischen 10,78 und 12,58€ pro Stunde (minus ca. 10 Cent pro Stunde brutto wegen CIfA)! Hm also es geht in Deutschland ja jetzt schon um 0,02 Cent besser als der Mindestlohn in Großbritannien (immerhin!). Also "die Macht von CIfA" reicht bezüglich des Mindestlohns in Großbritannien aus um 1,55€ mehr die Stunde zu bekommen bezogen auf das britische Wirtschaftssystem (dazu siehe unten)! Problem in Deutschland: ver.di kämpft gerade für Friseure um 0,50 Euro mehr Mindetslohn, hier herrschen also andere Dimensionen im garantierten Mindestlohnbereich.
Fundbearbeiter und Zeichner (Grabungstechniker?) sind denke ich mal ACIfA: Mindestlohn pro Stunde 12,58€ und Aufstiegschancen auf 16,23€ (minus ca. 10 Cent pro Stunde brutto wegen CIfA). Tut sich nix. Dank des Beitrags zu CIfA habe ich 16,50€ pro Monat (also nochmal Film und Fernsehen bezahklen) weniger in der Tasche, das ist dann aber garantiert.

Stellt sich nun bezüglich der Haushaltskosten in Großbritannien die Frage: Ist das jetzt fair? Wirken die ethischen Maximen und die Macht auch hinsichtlich der Löhne? Im Jahr 2020 soll der Mindestlohn in Großbritannien auf 11,50 € angehoben werden. Das ist immer ein sehr guter Indikator, um den aktuellen Mindestlohn einzuschätzen. Wird der Brexit Folgen haben auf dieses Lohngefüge?

Viele Grüße
NetterMillionär (rechnet gerne)

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Re: 01. Berufsverband setzt Rahmenbedingungen

Beitragvon Frank Siegmund » Do 8. Jun 2017, 11:13

Wie man entweder irgendwo, oder eben in den Debatten hier im Forum nachlesen kann: das britische Steuersystem ist ein deutlich anderes, die brit. Löhne sind daher mit den Verhältnissen in D nicht vergleichbar. Erneut: bevor man schreibt lohnt es, die ausführlichen Dabetten hier im Forum erst einmal zu lesen.


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